Françafrique


La documentation „Françafrique – 2ieme partie: L´argent roi“ par Patrick Benquet (F 2010)

Frankreichs Haltung gegenüber Afrika ist noch heute postkolonial geprägt. Für die von Charles de Gaulle initiierte und von seinen Nachfolgern fortgesetzte Politik gegenüber den ehemaligen afrikanischen Kolonien ist der Begriff „Françafrique“ geprägt worden. Immer wieder kündigen französische Politiker eine Abkehr von dieser Politik an. Doch der Wechsel zu einer anderen Politik scheint schwierig zu sein und wurde noch nicht ganz umgesetzt. Aus welchem Grund? Und was genau steckt hinter dem Begriff „Françafrique“?

Seit dem Ende der Kolonialzeit in den 60er Jahren pflegt Frankreich ein besonderes Verhältnis zu seinem ehemaligen kolonialen Machtbereich auf dem afrikanischen Kontinent: Äquatorial-Guinea, Benin, Burkina Faso, Burundi, Dschibuti, Togo, dem Tschad und vor allem Algerien, Gabun, Zentralafrika, Nigeria, der Elfenbeinküste, Kamerun, der Republik Kongo, der Demokratischen Republik Kongo, dem Senegal und Mali. Die Politik von Paris gegenüber diesen Ländern, die seit einem halben Jahrhundert mit dem Begriff der „Françafrique“ beschrieben wird, wird in der französischen Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Unter diesem Begriff, der lautmalerisch die enge Beziehung zwischen Frankreich (France) und Afrika (Afrique) wiedergibt, versteht man vielmehr als klassische diplomatische Beziehungen. Häufig ist damit die Beteiligung an Wahlfälschungen, an Putsch(versuchen) zur Unterstützung befreundeter politischer Regime oder gar an militärischen Geheimoperationen gegen missliebige Regierungen afrikanischer Staaten gemeint.

Zumindest rhetorisch distanzierten sich diverse französische Regierungen von diesem Konzept der außenpolitischen Beziehungen zu den obengenannten Staaten. Seit den 1980er-Jahren äußerten zahlreiche Präsidentschaftskandidaten die Absicht, „Françafrique“ nicht weiter verfolgen zu wollen. Doch bislang fand kein wirkliches Umdenken statt. Auch während der Präsidentschaft Nicolas Sarkozys wurde ein grundlegender Wandel der französischen Afrikapolitik nicht herbeigeführt. Im Wahlkampf 2012 setzte sich dann auch Präsidentschaftskandidat François Hollande für das Ende der „Françafrique“ ein. Die ersten diplomatischen Schritte des mittlerweile gewählten Präsidenten auf der afrikanischen Bühne, sei es im Senegal, anlässlich des Gipfeltreffens der Frankophonie im Kongo oder in Mali, scheinen jedoch in Kontinuität zur bisherigen „Françafrique“ zu stehen. Angesichts dessen ist es fraglich, ob eine Abkehr tatsächlich erfolgen wird.

Ein vielfältiges Netzwerk im Dienste französischer Interessen

Idee und politische Praxis der „Françafrique“ gehen auf die Zeit der Präsidentschaft Charles de Gaulles zurück und wurden von ihm befördert. In seinen Augen musste die traditionelle französische Einflusssphäre trotz Entkolonialisierung aufrechterhalten werden, um weiterhin den wirtschaftlichen Interessen Frankreichs zu dienen. Der Zugang zu Energieressourcen im ehemaligen kolonialen Machtbereich, der beispielhaft für die französischen Interessen in Afrika ist, galt als Garant für die energiepolitische Unabhängigkeit und somit den machtpolitischen Einfluss Frankreichs auf internationaler Ebene. …[weiter]

[Quellen und Hinweise: Der zweite Teil der Dokumentation von Patrick Benquet aus dem Jahr 2010 wurde online gestellt durch Juka Ce am 18.05.2016. Der erste und zweite Teil der Dokumentation (in sehr guter Bild- und Tonqualität) ist hier und hier zu finden. Der Text von Julien Thorel wurde unter dem Titel „Der schwierige Abschied von der `Françafrique´. Die französische Afrikapolitik zwischen Kontinuität und Wandel“ am 2.8.2013 auf den Seiten der Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht.]


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