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Angola: Die schamlose Elite

Reihe: „Dynasty“ – Postkoloniale Eliten

Reportage (F 2018), 25 min.

Das flächenmäßig zweitgrößte Land der Region hat nach seiner Unabhängigkeit von Portugal 1975 einen 27 Jahre langen Bürgerkrieg erlebt. Die soziale und ökonomische Infrastruktur des Landes erholt sich nur sehr langsam von den Jahren der Zerstörung, von der jedoch die Erdölfelder vor der Küste der Exklave Cabinda unberührt blieben. Dank des Ölreichtums und am Staatshaushalt vorbei gelenkter Einnahmen konnte sich die politische Elite Angolas rasant bereichern. Angola ist heute der zweitgrößte Erdöl-Exporteur Afrikas und Luanda wurde die teuerste Hauptstadt der Welt. Korruption, Repression gegen Oppositionelle und Menschenrechtsverletzungen zeichnen heute einen Staat aus, der als aufstrebende Regionalmacht mit Südafrikas Vorreiterrolle in der Region wetteifert.

[Quelle: Die Reportage „Die schamlose Elite“ von Edgar Wolf (F 2018) wurde auf dem yt-channel von arte.de am 1. Mai 2018 online gestellt. Der Einleitungstext kommt vom Fachmagazin Afrika Süd und ist mit einer Satzergänzung von der ISD Gießen versehen. Die Verwendung des Textes und des Videomitschnitts erfolgt ausschließlich zu Zwecken der Bildung.]

Emory Douglas – The Art of The Black Panthers

Art-History

A short film about Emory Douglas, who has first served as the art director for the Black Panther Partys newspaper THE BLACK PANTHER, and later served as Minister of Culture until 1980. Throughout these years, Douglas iconic artwork was published in the BPP newspaper and beyond.

Emory Douglas was born May 24, 1943 in Grand Rapids, Michigan. He learned his art-work skills in a Youth Training School. Later he studied Graphic Design at the City College of San Francisco, were he get in touch with Bobby Seale and Huey Newton – the founders of the BPP.

Today he had exhibitions at the Museum of Contemporary Art in Los Angeles or at the Urbis Arts Museum in Manchester (Great Britain) for example. His artwork is featured in the new book [2009; Anmerk. ISD Gießen] entitled „Black Panther: The Revolutionary Art of Emory Douglas.“

We want to feature and show a little of his artwork to you as a remembrance on black art and as an inspiration for the future by knowing about the past. Enjoy and delight.

[Source: The video was put online by Hood2Hood1000 on his yt-channel. The introduction was contributed by the ISD Gießen.]

Frankreich: Die lange Geschichte eines vergessenen Massakers

Zur Geschichte der Entkolonialisierung

Vor 50 Jahren tötete die Pariser Polizei zwischen 100 und 200 Algerier, die friedlich demonstrierend durch die Hauptstadt zogen. Lange galt die Gewalttat als Tabu. Jetzt tritt der 17. Oktober 1961 nach und nach ins kollektive Gedächtnis ein.

In den siebziger und achtziger Jahren wurde über den 17. Oktober 1661 [1961; Anmerk. ISD Gießen] der Mantel des Schweigens gehüllt. Wer erinnert sich noch an jenen Herbsttag, an dem unbewaffnete und friedlich demonstrierende Männer, Frauen und Kinder in den Straßen von Paris von Polizisten zu Tode geprügelt, in der Seine ertränkt oder an Bäumen aufgehängt wurden? “Das war eines der seltenen Male seit dem 19. Jahrhundert, wo die Polizei auf die Arbeiter in Paris schoss”, sagt der Historiker Benjamin Stora.

In den folgenden Wochen wurden Dutzende tote Algerier mit angeschwollenen Gesichtern aus der Seine geborgen. Benjamin Stora glaubt, dass die blutige Unterdrückung etwa hundert Menschenleben forderte. Der englische Historiker Jim House spricht von “mindestens” 120 oder 130 Toten, Jean-Luc Einaudi, Autor von La Bataille de Paris [Die Schlacht von Paris], von mehr als 150.

An jenem Tag waren “aus Algerien stammende, französische Muslime” einem Aufruf der algerischen Befreiungsfront FLN gefolgt, um gegen die nächtliche Ausgangssperre zu demonstrieren, die vom Pariser Polizeipräfekten Maurice Papon erlassen wurde. Mehr als 20.000 Männer, Frauen und Kinder, die zumeist in den Elendsvierteln der Vororte lebten, marschierten friedlich über die Straßen des Quartier Latin, über die Grands Boulevards und die Champs-Elysées.

Die Schwächsten zu Tode geprügelt
Die polizeiliche Gewalt war unbeschreiblich: Polizisten passten die Demonstranten an Metroausgängen und in den Straßen ab, um sie zu verprügeln und zu beleidigen. “Die Schwächsten unter ihnen, die schon blutverschmiert waren, wurden zu Tode geprügelt. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen”, erzählte Saad Ouazen 1997.

Obwohl sie sich nicht wehren, werden rund zehn Demonstranten erschossen. Andere werden in der Seine ertränkt. Insgesamt werden mehr als 11.000 Algerier verhaftet und im Palais des Sports oder im Stadium Pierre-de-Coubertin interniert.Sie werden mehrere Tage unter abscheulichen Hygienezuständen zusammengepfercht, von Polizisten heftig geschlagen und von ihnen als “dreckige bicots” [Schimpfwort für nordafrikanische Männer] und “Ratten” beschimpft. Die terrorisierten, im Palais des Sports festgehaltenen Menschen trauen sich nicht mehr, auf Toilette zu gehen, denn sie könnten dabei getötet zu werden. Am nächsten Tag meldet die Präfektur offiziell 3 Tote: zwei Algerier und einen Franzosen. Das Lügen hatte begonnen. Das Schweigen gewann bald die Oberhand und hielt mehr als 20 Jahre.

Es wundert Benjamin Stora wenig, dass das Massaker vom 17. Oktober 1961 so lange totgeschwiegen wurde. “In diesen Jahrzehnten gab es [in Frankreich] eine wahre Unkenntnis über die, die man Einheimische oder Einwanderer nannte, das heißt über die anderen. Wie soll man sich mit einer solchen Weltvorstellung für die Einwanderer interessieren, die in den Slums des Pariser Einzugsgebiets leben? Die Algerier waren die ‘Unsichtbaren’ der französischen Gesellschaft.”

Zu dieser öffentlichen Gleichgültigkeit kam in den Monaten nach dem 17. Oktober ein Vertuschungsbemühen seitens der Staatsorgane hinzu. Augenzeugenberichte, die der offiziellen Version widersprachen, wurden zensiert. Die 1962 mit der Unabhängigkeit Algeriens gewährte Amnestie besiegelte letztendlich das Schweigen der französischen Gesellschaft: alle Klagen wurden ad acta gelegt.Trotz der Verschleierung überlebt die Erinnerung an den 17. Oktober hier und da, wenn auch nur vereinzelt und heimlich. Sie bleibt vor allem bei den algerischen Einwanderern der Region Paris lebendig.

Erst die zweite Generation wühlte die Vergangenheit auf
“Diese Männer tauschten sich untereinander aus. Aber die meisten gaben die Erinnerung an dieses Ereignis nicht an ihre Kinder weiter”, erklärt der englische Historiker Jim House. “In den achtziger Jahren wissen sie, dass ihre Kinder in Frankreich bleiben werden. Sie haben Angst, deren Zukunft zu gefährden, wenn sie von der Polizeigewalt erzählen, die sie über sich ergehen lassen mussten.”

Erst die zweite Generation der algerischen Einwanderer kann die Sicht auf die Vergangenheit von Grund auf ändern. Diese jungen Menschen haben die öffentlichen Schulen der Republik besucht. Sie können wählen und sind französische Bürger. Aber sie haben auch das Gefühl, dass die Vorurteile und die Verachtung ihnen gegenüber mit dem Algerienkrieg zusammenhängen.

Nach und nach wird mit der Aufklärung begonnen. In den achtziger Jahren stellt Jean-Luc Einaudi Nachforschungen an. Als sein Buch dreißig Jahre nach dem 17. Oktober erscheint, ist der Schock groß. La Bataille de Paris gibt Stunde für Stunde die Ereignisse wieder, beschreibt das Schweigen nach dem Tag und löst damit eine Debatte über die Unterdrückung der Algerier aus.

Mit diesem und einigen anderen Büchern wird die Erinnerung an den 17. Oktober 1961 wieder in der Öffentlichkeit wachgerufen. Dazu beigetragen haben auch zwei Dokumentarfilme: Le Silence du fleuve [Das Schweigen des Flusses] von Agnès Denis und Mehdi Lallaoui und Une journée portée disparue [Ein vergessener Tag] von Philip Brooks und Alan Hayling. Die damalige Regierung dagegen verteidigte weiterhin die offizielle Wahrheit.

Das fehlende Eingeständnis des Staates
Nach den Historikern und den Verfechtern des Gedenkens an die Opfer meldete sich die Justiz zu Wort. Beim Prozess des ehemaligen Vichy-Politikers Maurice Papon 1997 in Bordeaux beschäftigten sich die Richter auch ausführlich mit den Ereignissen des 17. Oktober 1961. Der mit Jean-Luc Einaudi konfrontierte ehemalige Polizeipräfekt gab schließlich zu, dass es an “dem unglücklichen Abend” etwa “15 oder 20 Tote” gegeben habe, die aber auf einen Vergeltungsakt zwischen Algeriern zurückzuführen seien.

Zum ersten mal bezog die Politik Stellung: Premierminister Lionel Jospin öffnete die Archive. Dem einzig zur Verfügung stehenden Register des gerichtsmedizinischen Instituts zufolge – die meisten Archive der Präfektur und der Wasserschutzpolizei waren auf mysteriöse Weise verschwunden – schloss er 1998 auf die Zahl von mindestens 32 Toten.

Zwei Jahre später verklagte Maurice Papon Jean-Luc Einaudi wegen Verleumdung. Dieses Mal räumte Papon etwa dreißig Tote ein. Das Gericht aber wies die Klage zurück und sprach von einer “seriösen, stichhaltigen und vollständigen” Arbeit Jean-Luc Einaudis. Die Richter stellten fest, dass “bestimmte und relativ zahlreiche Mitglieder der Polizei extrem gewalttätig und von einem Unterdrückungswillen geleitet agiert haben.”

Die offizielle Version des 17. Oktober ist nun ein Scherbenhaufen. Die Zeit des Gedenkens ist gekommen. Anlässlich des vierzigsten Geburtstages 2001 brachte der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë auf der Saint-Michel-Brücke eine Tafel an: “Im Gedenken an die zahlreichen Algerier, die bei der blutigen Unterdrückung der friedlichen Demonstration vom 17. Oktober 1961 getötet wurden”. In der Pariser Region erinnern etwa zwanzig Gedenktafeln und -steine an jene Herbsttage.

Das Puzzle der Erinnerung wurde vielleicht wieder zusammengesetzt. Aber für viele fehlt noch ein Teil: das Eingeständnis des Staates.

[Quelle: Ein Artikel von Ariane Chemin, zuerst veröffentlicht in der französichen Tageszeitung Le Monde am (Datum nicht recherchierbar – voraussichtlich 17.10.2011). Die deutsche Übersetzung aus dem Französischen erfolgt von Martina Ziegert für das Online-Magazin VOXeurop veröffentlicht am 17. Oktober 2011. Der Film trägt den Titel „Verordnetes Schweigen – Die blutige Nacht von Paris“ (D 2002, 43 min.) von Michael Gramberg. Den Videomitschnitt hat freundlicherweise Andreas Ruby am 23. Jan. 2015 auf seinem yt-channel online gestellt. Weitere Info gegen das Vergessen. Die Verwendung des Textes und des Videomitschnitts erfolgt ausschließlich zu Zwecken der Bildung.]

Ökonomie: Über die Freihandels-Doktrin bei ungleichen Partnern

Eine Dokumentation über den politischen Zusammenhang von den „Segnungen“ des Freihandels bei ungleichen Partnern, der Verarmung der Länder des globalen Südens und der Flucht nach Europa. Am Beispiel des Huhns, als Nahrungsmittel, wird der Widerspruch einer ökonomischen Ideologie und seine praktischen Folgen in seiner gesamten, inklusiven fatalen Dimension verdeutlicht.

[Quelle: Die Dokumentaion fand sich auf dem yt-channel von amalekzz. Der Beitrag wurde dort am 23.01.2015 online gestellt.]

Black in Latin America

Schwarze Geschichte und Gegenwart weltweit / Black history and presence globally

Mexico and Peru: The Black Grandma in the Closet

„Those who cannot remember the past are condemned to repeat it.“ („Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“). George Santayana (1863-1952, us-amerikanischer Philosoph), bürgerlich: Jorge Augustín Nicolás Ruiz de Santayana.

Der dritte Beitrag einer mehrteiligen Dokumentationsreihe mit Professor Henry Louis Gates jr. in der Rolle eines Touristenführers dessen Reise nach Mexiko und anschließend nach Peru führt. Die Dokumentation geht der Frage nach der Geschichte, Gegenwart und dem Selbstverständnis von Schwarzen Menschen / Afrikanern_innen in beiden Ländern nach. Hoch interessant, spannend und aufschlussreich. Zum Beispiel hatte Mexiko 180 Jahre vor Barack Obama mit Vincente Guerrero (1783 – 1831) den ersten Schwarzen Präsident in einem Land in den Amerikas.

Peru hat sich als einziges Land Lateinamerikas für die Greueltaten gegen seine Schwarze Bevölkerung offiziell entschuldigt. Das klingt nach, nun ja, fast paradiesischen Zuständen. Die Realität ist komplexer, vielschichtiger und widersprüchlicher. Henry Louis Gates jr. trifft Menschen wie Monica Carillo, die die Schwarze Selbstorganisation LUNU in Lima leitet. Afroperuaner_inne machen etwa 4% der Bevölkerung aus und Rassismus ist Teil ihres Alltags. Er spricht mit der Historikerin und Anthropologin Dr. Maria Eliza Velázquez über die anhand von sechzehn kleine Gemälden illustrierte Rassifizierung der mexikanischen Gesellschaft und die Unterschiede in dieser Frage zwischen den englischen und spanischen Kolonialisatoren.

Weitere Reisen der Dokumentationsreihe führten nach Cuba, nach Brasilien, nach Haiti und in die Dominikanische Republik.

[Quelle: Das Video wurde vom yt-channel von Bladeboy05 übernommen und die Zusammenfassung schrieb die ISD Gießen.]