News/Links/Point of View

wandelen – flâner – strolling – schlendern…

(Reihe: Schwar­ze Eu­ro­pä­er_in­nen/Black Eu­ropeans)
In englischer Sprache mit Untertiteln

Die Niederlande haben den Ruf eine tolerante und weltoffene Gesellschaft zu sein. Abdirashid spricht auf einem Spaziergang durch Amsterdam über die Feinheiten und Widersprüche des Selbstverständnisses eines postkolonialen Landes. Welche Bedeutung und Auswirkungen hat dies in der sozialen Interaktion für BPoC- Einheimische und die Zugewanderten? Eine Bestandsaufnahme.

[Source: Eine Folge der grossartigen und sehr sehenswerten Reihe „wandelen/flâner/strolling/passeggiando“ oder einfach bummeln, schlendern, spazieren gehen. Realisiert und herausgeben auf dem yt-Kanal am 08.09.2015 von Cecile Emeke. Great work! Es handelt sich um die Episode 2 gespikt mit den Stichworten zu „black face, black pete, somalia, racialisation of islam, education & more“. Die textliche Einleitung wurde von der ISD Gießen verfasst.]

Each One Teach One (EOTO) e.V.

Serie on black organizations in (contemporary) history

Die „Sisters Poetry“ auf der Eröffnungsfeier der neuen Bibliothek

Erste Schwarze Bibliothek im Afrikanischen Viertel
in Berlin-Wedding


19 Jahre nach ihrem Tod erfüllt sich endlich Vera Heyers Wunsch: Das große Literaturarchiv der Afro-Deutschen wird nun in einer eigenen Bibliothek im Wedding der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. …
Vera Heyer war eine fleißige Frau. Das ist ein großes Glück für das Afrikanische Viertel. Über rund 2.000 Bücher wird die neue Bibliothek verfügen, die der Verein Each One Teach One (EOTO) am Freitag eröffnet. Eine wertvolle Fundgrube an Schwarzer Literatur, von der 1995 im Alter von 48 Jahren ihrer langen Krankheit erlegenen Vera Heyer zusammengestellt. Zeitschriftenartikel, Sachbücher, wissenschaftliche Arbeiten, Biografien und natürlich zahlreiche Romane. Allesamt von Autoren und Autorinnen aus Afrika, von vielen Afro-Amerikanern und auch einigen Afro-Deutschen – und damit von Menschen, deren Perspektive in Deutschland lange Zeit wenig bis keine Beachtung gefunden hat.

EOTO verwirklicht nun Heyers Vision und stellt mit Fördergeldern des Projekts „Lern- und Erinnerungsort Afrikanisches Viertel“ des Bezirksamtes Mitte ihr umfangreiches Archiv in einer eigenen Bibliothek der Öffentlichkeit zur Verfügung.

In diesen mit Büchern bestückten Räumen soll nicht nur still gelesen werden, sondern ein reger Austausch stattfinden. Am besten über Generationen hinweg, das wünscht sich Tina Bach vom Vereinsvorstand. Für sie ist die Bibliothek eine echte Herzensangelegenheit. Hier soll ein Ort der gemeinsamen Wissensbildung und des Erfahrungsaustausches entstehen, wobei die Perspektive der Schwarzen gestärkt, in den Fokus gestellt und in die Mehrheitsgesellschaft getragen wird.

Zum Frühlingsanfang, am Freitag, den 21. März, gibt es die feierliche Eröffnung. Alle Interessierten sind eingeladen, in den Regalen zu stöbern, zu den Lesungen zu kommen, sich selbst einzubringen, neu auszudrücken und einander zuzuhören. Und wer auch fortan nicht vorbeischauen kann, dem stattet das Team vielleicht mal als mobile Bibliothek einen Besuch ab. Tina Bach hat dazu verschiedene Pläne: Sie möchte die Bücher in Schulen und Kindergärten bringen, dort gemeinsam lesen – oder auch mit jugendlichen Vorlesern Altersheime besuchen.

Schreibwerkstatt jeden Mittwoch
Für die Wochen nach der Eröffnung gibt es schon einige feste Termine. Jeden Mittwoch wird eine offene Schreibwerkstatt für Schwarze und People of Color von 13 bis 19 Jahren angeboten. Zusammen mit Bahati Glaß können die Jugendlichen ihre eigene Kreativität entdecken und in schriftlichen Texten, Spoken Word oder Musik und Comics ihre Erfahrungen und Gedanken ausdrücken. In Gedenken an Nelson Mandela wird am 28. März und am 4. April vormittags aus seinem Buch „Meine afrikanischen Lieblingsmärchen“ vorgelesen. Stadtführungen zur Geschichte und Gegenwart des „Afrikanischen Viertels“ sind für den 1. April, den 3. Mai und den 7. Juni geplant.

Wie alles begann
Die Bibliothek bekommt zwar für die Miete Förderung aus dem Topf des Bezirksamtes, das Team arbeitet dort allerdings ehrenamtlich. Auch Vera Heyer erstellte ihr Archiv auf eigene Kosten und neben ihrem Beruf. Sie durchstöberte Antiquariate und Buchläden nach jeglicher Literatur von schwarzen Autoren und Autorinnen. Mit ihrer Sammlung leistete sie einen wichtigen Beitrag für die Bewahrung und die wissenschaftliche Aufarbeitung der Lebenserfahrung schwarzer Menschen. Ihre Bestände waren schon zu ihren Lebzeiten Quellen für diejenigen, die sich etwa in Diplomarbeiten oder Zeitungsartikeln dem Thema widmeten. So bezog etwa die afrodeutsche Poetin und Aktivistin May Ayim viele Informationen aus Heyers Archiv. Damit konnte sie ihre umfassende Arbeit zur Geschichte Schwarzer Deutscher verfassen, ein bedeutendes Grundlagenwerk für die deutsche Forschung.

Nicht nur ihr Beitrag zur Sichtbarmachung schwarzer deutscher Geschichte verband Vera Heyer und May Ayim. Beide schöpften aus der Literatur und aus dem Entdecken ihrer eigenen Geschichte auch viel Kraft gegen den alltäglichen Rassismus und die Diskriminierung, die ihnen widerfuhr. Beide starben viel zu früh. Auf der Beerdigung von May Ayim, die sich 1996 das Leben nahm, lernten sich einige der späteren GründerInnen von EOTO e.V. kennen. Das geistige und materielle Erbe beider afrodeutscher Frauen zündete schon damals die Idee, in Heyers Sinn eine Bibliothek zu eröffnen. Doch erst als dann einige von ihnen ihren Wohnsitz nach Berlin verlegten, konnte das Projekt 2012 in Angriff genommen werden.

Ein anderer Ort kam für die Bibliothek nie in Frage. Berlin war schon immer der Dreh- und Angelpunkt der Bewegung. Die berühmte US-amerikanische Poetin und Theoretikerin Audre Lorde stieß mit ihren Vorlesungen an der Freien Universität ein neues Selbstbewusstsein vor allem der afrodeutschen Frauen an, May Ayim lebte in dieser Stadt und Vera Heyers Archiv lagerte hier in Kisten. Die Sammlung auseinander zu nehmen und schlicht an andere Bibliotheken zu verteilen, habe nie zur Diskussion gestanden.

Am 21. März feiert[e] der Verein „Each one Teach one“ die Eröffnung der Bibliothek in der Müllerstraße 55-58 im Großen Saal des Paul-Gerhard-Stifts mit einem breiten Programm…. Mehr Infos gibt es hier.

[Quellen: Das Video wurde von Akzent TV am 11.11.2016 auf ihrem yt-channel online gestellt. Der Text stammt von Katarina Wagner und wurde am 20.03.2014 auf Tagesspiegel.de veröffentlicht.]

Ökonomie: Afrika in der Globalisierung

Erstrangiges Objekt der Begierde
Von Afrika wird in den Massenmedien das Bild eines Kontinents gezeichnet, der von der Globalisierung „abgehängt“ wurde und deswegen nicht auf die Füße kommt. Hunger, Korruption und der anhaltende Massenexodus in die kapitalistischen Zentren wären die Folge eines selbstmörderischen Reflexes, der die Eliten dazu antreiben würde, anders als Asien die Chancen, die die Globalisierung bietet, verstreichen zu lassen.

Die Lotterwirtschaft der herrschenden afrikanischen Eliten ist leider eine Tatsache. Die Demokratisierung der 90er Jahre hat den Virus der Oligarchie leider nicht ausgerottet. Im Gegenteil, da sie auf neoliberalem Humus gewachsen ist, hat sie eher die Bereicherung, auch die unzulässige, befördert.

In der Ära nach Mobutu oder nach Hufuet-Boigny wurden in der Subsahararegion Vermögen angehäuft. Regierungschefs wie Dos Santos (Angola), Sassou Nguesso (Kongo), Biya (Kamerun) oder Bongo (Gabun) haben durch die Veruntreuung öffentlicher Gelder und die Verschleuderung strategischer Märkte an Private Werte in der Größenordnung von Konzernen angehäuft. Sie haben aber auch investiert, sowohl im eigenen Land wie außerhalb — in Banken, Immobilien, Bergwerke, Erdöl… Sie sind damit zu richtigen Kapitalisten geworden, die sich vom Bilderbuchunternehmer nur dadurch unterscheiden, dass die Quelle ihrer ursprünglichen Akkumulation eine öffentliche ist.

Nicht einmal Mobutu hat Reichtümer nur angehäuft. Sein Vermögen lag nicht nur auf Nummernkonten von Banken in sog. demokratischen Ländern, es wurde auch in Immobilien und in Aktien außerhalb von Zaire (heute Demokratische Republik Kongo) investiert. So hat sich in Afrika eine lokale Klasse von Geschäftsleuten etabliert.

Vor kurzem hat z.B. der frühere Premierminister des Senegal, Abdulaye Wade, in einem Strafverfahren gestanden, dass er sich aus der senegalesischen Staatskasse bedient hat und dadurch zum Immobilienunternehmer geworden ist, der seine Geschäfte u.a. in Paris abwickelt. In Südafrika hat der ANC nach seinem Regierungsantritt führenden Partei- und Gewerkschaftsfunktionären (der COSATU) die Gelegenheit verschafft, Vorstandsvorsitzende oder gar Eigentümer von Privatunternehmen zu werden — im Namen des black empowerment (Ermächtigung der Schwarzen), einer positiven Diskriminierung [sic!], die darauf abzielt die südafrikanische Bourgeoisie um ein paar Farbtupfer zu bereichern. [Wie kommt es, dass der Autor bzw. die Übersetzung sich im Ton so abschätzig rassifizierend äußert? Und zweitens – anstatt die offenkundige Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis einer Selbstermächtigungsstrategie der vormals Unterdrückten in Südafrika, deren Unterdrückung unabhängig von ihrer Klassenzugehörigkeit war, zu benennen – darauf abzielt den Sinngehalt dieser politischen Strategie in einer Weise zu verdrehen, die dieser nicht gerecht wird? Unwilligkeit? Double standard? Denken und verharren in den Kategorien eines elitären white supremacy thinking?; Anmerk. ISD Gießen]

Als Unternehmer hängen die herrschenden Eliten Afrikas an der neoliberalen Ordnung der Weltwirtschaft, deshalb lassen sie die Folgen der Globalisierung für die Völker kalt. Bestenfalls tolerieren sie deren „Kampf gegen die Armut“, solange er sich noch mit ihren individuellen und Klasseninteressen verträgt.

Antikorruptionskampagnen mit zweierlei Maß
Das Ausmaß der Korruption und ihre schädlichen Folgen für die afrikanischen Gesellschaften kann man nicht leugnen: Erwachsene und Kinder sterben, weil sie nicht die Mittel haben, in den Gesundheitszentren die Korruptionsmaschine zu schmieren. Dennoch zeugen manche Kritiken an der Korruption eher von einem Moralismus, der nicht frei von einer rassistischen Überheblichkeit über die „Unreife“ der Afrikaner ist, als von politischen Erwägungen.

In Wirklichkeit werden häufiger mindere Formen der Korruption aufs Korn genommen als solche, die wirklich die großen wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Orientierungen eines Landes, also die Politik, beeinflussen — sie sind im Übrigen auch nicht exklusiv auf dem afrikanischen Kontinent anzutreffen. Dieser ist vielmehr Opfer einer Korruptionskultur, die dem System inhärent war, das ihm aufoktroyiert wurde bevor die einheimischen Eliten, die in diesem System ausgebildet wurden, es sich zu eigen gemacht haben. Die Orientierung des US-Kongresses an privatkapitalistischen Interessen ist eher die Norm als die Ausnahme, die politischen Entscheidungsträger können zugleich Wirtschaftsunternehmer sein, die viel eher daran interessiert sind, wie sie Gesetze und öffentliche Vorhaben zu ihren Gunsten wenden können, als wie sie die Verwendung öffentlicher Gelder kontrollieren.

Über Korruptionsfälle, in die die politische Klasse, manchmal sogar die Spitzen des Staates in den Gesellschaften des kapitalistischen Zentrums involviert sind, hüllt sich einvernehmlich des Mantel des Stillschweigens oder sie fallen dem kollektiven Vergessen anheim wie die Kette von „Affären“ in Frankreich. Manchmal wird dem noch ein bisschen nachgeholfen, wie im Fall der „Affäre Elf“ — ungeachtet dessen, dass sie im Kongo Tausende Menschenleben gekostet hat.

Gerade dieser Fall bringt noch einmal in Erinnerung, dass für die afrikanischen Gesellschaften die schädlichste Korruption diejenige ist, die die herrschenden Eliten des Kontinents an die wirtschaftlichen und politischen Mächte des kapitalistischen Zentrums bindet.

Das scheint nun auch Transparency International zu entdecken, eine NGO, die seit langem das Hauptaugenmerk auf die Korrumpierten statt auf die Korrumpierenden legt. „Die großen Exporteure gefährden durch zweifelhafte Praktiken im Ausland die Entwicklung … In den wirtschaftlich schwächsten Ländern Afrikas haben die Befragten häufig französischen und italienischen Konzerne als Urheber solcher Praktiken benannt.“ (Zusammenfassung des Berichts über den Korruptionsindex exportierender Länder, 2006.) Kein westliches Land erhält von dieser NGO das Prädikat 10/10. In manchen Ländern wird diese Auslandskorruption sogar gesetzlich ermutigt und steuerlich begünstigt, weil sie dem Wettbewerb dient. Der Untersuchungsbericht der britischen Africa All Parliamentary Group, der britische Konzerne anprangert, ist deshalb eine große Ausnahme und bisher auch ohne Wirkung geblieben. Der Kreuzzug der Weltbank gegen die Korruption lenkt deshalb von den strukturellen Ursachen der sozialen Ungerechtigkeit eher ab. Seine einzige Absicht ist, Regeln für die Konkurrenz zwischen imperialistischen Mächten aufzustellen. …weiter

[Quelle: Text: Jean Nanga. Übersetzung aus dem Französischen: Angela Klein. Abgedruckt in SoZ – Sozialistische Zeitung, Februar 2007, Seite 14, Online-Ausgabe. Verwendung ausschließlich zu Bildungszwecken.]

The story of MARCUS GARVEY

Serie on black organizations in (contemporary) history

[Source/Quelle: The Video was postet on the yt-channel by RGBStreetScholar Imhotep on Sept 2, 2012. ]

Community Doctors

A documentary on Havana’s ELAM (La Escuela LatinoAmericana de Medicina = The Latin American School of Medicine), which UN Secretary General BanKi-Moon called “the most advanced medical school in the world.”

Although it is a resource-poor country Cuba has developed a highly effective medical system. Their health outcomes are on par with those of the United States. Cuba has provided thousands of doctors to work in medically underserved areas in countries around the world to restore those communities from the impact of natural disasters, epidemics and the widespread lack of medical care.

In 1999 Cuba opened the Latin American School of Medicine (ELAM) to give medical scholarships to the brightest from poor areas around the world so that they may become doctors that will eventually return and serve the communities from which they came.

Due to decades of political animosity between the United States and Cuba, of which have only recently began to normalize, information about Cuba has been relatively scant. Despite the impasse in diplomatic relations, Cuba provided the offer of free medical scholarships for students in the United States.

The film tells the story of the medical scholarship program and the young Americans, many from poor and underserved communities in the United States, who were awarded full scholarships to study medicine at the Latin American School of Medicine in Havana, Cuba. The program is a 6-7 year, fully Spanish, hands-on experience that prepares students to become doctors that are skilled at preventing diseases and treating patients in low-resource conditions with an interwoven focus on community building. At a time when Cuba itself remained off-limits to most Americans, the students and graduates of ELAM share their experiences, challenges, lessons and hopes as they are fully immersed in a new culture while learning a unique and radically different approach to medicine and healthcare.

Supplement/Ergänzung (15.10.2017): US-Mediziner absolvieren Studium in Kuba.

[Sources: The Documentary and the photo caption was put online by CubaSolidarity on july 7, 2016. And the text was taken from the webside of the Community doctors.]