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Fatal Force + Death in Custody

FATAL FORCE
Am 25. Mai 2021 jährte sich der erste Jahrestag an dem George Floyd an einer Straßenkreuzung in Minneapolis durch Polizisten (Derek Michael Chauvin, James Alexander Kueng, Thomas Kiernan Lane, Tou Thao) vor laufender Kamera ermordet wurde. Durch die unmittelbare Veröffentlichung auf den Social Media- und Nachrichten-Kanälen wurde der Fall publik, löste eine weltweite Welle von Protesten für Black Lives Matter aus und BIPoC-Organisationen lenkte den selbstkritischen Blick auch auf die Fälle von Polizeigewalt in den eigenen Ländern.

In den USA kommen durch Polizei und Sicherheitsdienste immer wieder Schwarze Menschen und People of Color zu Tode. Hier nur ein Beispiel für die lange historische Tradition des Rassismus der Polizeikräfte: Als Huey P. Newton und Bobby Seale 1966 die Black Panther Party for Self-Defense gründeten war u.a. ein Ziel, die Schwarze Wohngebiete für die dort lebenden Schwarze Bevölkerung wieder sicher zu machen vor den ständigen Übergriffen durch die Polizei. Dies geschah dadurch, dass die Panthers in ihren Wagen ausgestattet mit dem Gesetzbuch und einer Langwaffe – die nach einem Zusatzartikel in der Verfassung allen Amerikaner*innen das sichtbare Tragen der Waffe zur Selbstverteidigung erlaubte – die Polizeipatroullien eskortierten und die korrekte Behandlung bei der Festnahme von Verdächtigen aus der unmittelbaren Distanz heraus als Zeugen*innen beobachteten. Denn zu jener Zeit gab es noch keine Überwachungskameras und die Verpflichtung der Polizisten*innen im Einsatz body-cams zu tragen. Dadurch ist das jahrzehnte bestehende Problem mit den tödlichen Übergriffen durch die „Ordnungshüter“ nicht kleiner, sondern nur sichtbarer geworden.

Die us-amerikanische Politiksendung im Internet THE YOUNG TURKS hat über Jahre immer wieder diese Art von Fällen aufgegriffen, nachrecherchiert und nachrichtlich aufbereitet, die es in der Regel nicht in die Nachrichtenprogramme der grossen Networks geschafft haben. Und damit kontinuierlich auf das Ausmaß des Problems mit einer Polizei hingewiesen, die strukturell rassistisch ist und in ihrer Ausbildung zwar viele Schiessstunden erhält, aber z.B. so gut wie keine in Deeskalationstechniken oder interkultureller Kompetenz. Und diese, so vorbereiteten Polizeikräfte, werden dann auf die Menschheit losgelassen (siehe auch: Tagesschau In 19 Wochen zum US-Cop) mit den fatalen Folgen insbesondere für die Minoriäten des Landes, die es immer wieder offenbart. Somit ist das Hauptproblem, und damit erweist es sich als strukturelles Problem, die fehlende Ahndung von polizeilichen Übergriffen. Es ist der Ausdruck des fehlenden Willens in der polizeilich als auch der politischen Führungsetage, es ist der Chorgeist der Truppe und ihrer finanzstarken Polizeigewerkschaften sowie eine Zunahme der Militarisierung der Polizei im Ausrüstungsbereich.

Eine aktuelle Recherche der US-Tageszeitung THE WASHINGTON POST, die unter dem Titel „Fatal Force“ im Internet abrufbar ist, beschäftigt sich für den Zeitraum von 2015 bis heute mit den Todesfällen durch die Polizei. Das Erschreckend daran ist, dass mit jedem Update die Todeszahlen stetig nach oben korregiert werden müssen. Dabei fällt bei den Grafiken, die einige soziologische Aspekte ins Auge nehmen sofort auf, dass im Vergleich zu ihrem Bevölkerungsanteil, die Anzahl Schwarzen Menschen unter den Getöteten mehr als doppelt so hoch ist, wie die weißer Menschen. Und zweitens, dass die Anzahl getöteter junger Schwarze Männer durch die Polizei überproportional hoch ist, und je unbewaffneter, desto eher ist mit einer Erschießung durch die Polizei zu rechnen. Kritisch gelesen, entspricht das einem polizeilichen Tötungsraster bestehend aus den Attributen Schwarz, jung, männlich und unbewaffnet. Doch man fragt sich, was triggert (weiße) Polizei unablässig bei dieser – unserer – Personengruppe ohne lang zu zögern den Abzug, so überproportional häufig mit tödlichen Folgen, durchzudrücken?

DEATH IN CUSTODY – Todesfälle im Gewahrsam
Doch Polizeigewalt ist nicht nur ein Problem in den USA, sondern auch in Deutschland. In einer anderen zahlenmäßigen Größenordnung doch genauso verheerend tödlich. Hinzu kommt ein Innenministerium dem zum einen die Staatsanwaltschaft – als ermittelnde Instanz – unterstellt ist und das sich zum anderen weigert die notwendige Reformen für eine wirklich unabhängige Untersuchung bei Todesfällen, in der die Polizei verwickelt war, voran zu bringen. Der Ruf nach einer Reform wird immer öfter erhoben auch aus dem wissenschaftlichen Feld, zum Beispiel durch Prof. Dr. Tobias Singelnstein.

Death in Custody: Rassistische Polizeigewalt – Kritik und Widerstand – Podiumsdiskussion, 14.04.2021

Doch auch die Zivilgesellschaft hat sich schon lange dem Problem angenommen und das bietet uns die Gelegenheit, die in Berlin beheimatete Initiative DEATH IN CUSTODY vorzustellen. Die Initiative recherchiert, dokumentiert, berät und unterstützt ggf. Freunde und Angehörige bei Todesfällen von Menschen im Gewahrsam (Untersuchungshaft, Gefängnis, Psychatrie etc.). Die Podiumsdiskussion gibt über die Arbeit, die theoretisch und praktischen Interventionsmöglichkeiten in einer Gesellschaft, die auf Aus- und Wegschluss basiert Auskunft.

[Quellen/Source: Das Video wurde vom y.t.-Kanal von Death in Custody eingebettet. Der Text stammt von der ISD Gießen. Wie immer ist die Verwendung der Materialien ausschließlich für Bildungszwecke vorgesehen.]

Die Karibikstaaten: Strategien gegen COVID-19

Karibik, Gesundheit, Diplomatie to the English Version

Das Erfolgsgeheimnis der schnellen Impfkampagnen vieler Karibikstaaten? Der Dritte zu sein, wenn zwei sich streiten.

Für die kleinen Inselstaaten der Karibik ist Impfdiplomatie der Schlüssel zur Bewältigung der Covid-Pandemie. Auch wenn ihre Bevölkerungszahl kaum der eines Stadtteils von São Paulo entspricht: Länder wie Grenada oder Antigua & Barbuda sind souveräne Staaten, und als solche haben sie genauso Sitz und Stimme in den Vereinten Nationen wie Brasilien oder Mexiko. Die 14 Staaten der Karibischen Gemeinschaft CARICOM zusammen bringen hier mehr „voting power“ auf die Waage als ganz Südamerika. Die aktuelle Krise zeigt, wie sich diese staatliche Souveränität in eine Versorgung mit Impfstoffen ummünzen lässt, von der größere Staaten nur träumen können.

Zum Beispiel Dominica (nicht zu verwechseln mit der ungleich größeren Dominikanischen Republik): Mit ihren 70 000 Einwohnern hatte die Insel bereits Anfang Februar 70 000 Impfdosen aus Indien erhalten. Inzwischen hat China nachgelegt und weitere Impfdosen eingeflogen. Dabei hat das Land die Epidemie unter Kontrolle wie kaum ein anderes: bislang kein einziger Todesfall; die Zahl der Infizierten liegt bei 161 – nicht pro Woche, wie auf den zu Frankreich gehörenden Nachbarinseln Guadeloupe und Martinique, sondern insgesamt, seit Beginn der Pandemie. Fortsetzung…

Ergänzung: Kuba ist auf Massenimpfung in Havanna vorbereitet

[Quelle: IPG Journal online, Bert Hoffmann: Segen der Karibik, VÖ: 26.03.2021, abgerufen am 29.04.2021. Die Verwendung geschieht auschließlich für Bildungszwecke/For educational purpose only.]

Apartheid Did Not Die

Transformation processes: Examples

Apartheid Did Not Die is a 1998 Carlton Television documentary, written and presented by John Pilger, which was directed and produced by Alan Lowery, which provides analysis of South Africa’s then new, democratic government. He asks the inevitable question i.e. „who are the true beneficiaries of a democracy — the black majority or the white minority?
John Pilger was banned from South Africa for his reporting during the apartheid era. On his return thirty years later with Alan Lowery, he describes the extraordinary generosity of a liberated people. He observes that while „Apartheid based on race is outlawed now, but the system always went far deeper than that. The cruelty and injustice were underwritten by an economic apartheid, which regarded people as no more than cheap expendable labour. It was backed by great business corporations in South Africa, Britain, the rest of Europe, and the United States. And it was this apartheid based on money and profit to allow a small minority to control most of the land, most of the industrial wealth, and most of the economic power. Today, the same system is called — without a trace of irony — the free market.“

[Source: The announcement text and video were uploaded on yt by ESDevelopment and posted on 11.05.2014. The use of the material is for educational purposes only.]

Europa braucht Afrika mehr als Afrika Europa

Gespräch | Sternstunde Philosophie | SRF Kultur

Triggerwarnung ab 35:50 min. und Kommentar: Ab der Sendeminute kippt das Gespräch und wird zweimal zu einem subtilen Affront gegenüber den Gästen. Natürlich streng entlang der Regeln journalistischer Standards, aber ohne Empathie für von Rassismus betroffene Menschen. Nur zum Vergleich: Ein gleiches Vorgehen beim Konfrontieren mit historischem Material, wie in dieser Sendung geschehen, würde sich z.B. gegenüber den Nachfahren der Shoa von Seiten der Redaktion von selbst verbieten. Und man müsste Ihnen nicht erklären „warum“!


Sternstunde Philosophie vom 15.12.2019 im Schweizer Fernsehen

Veye Tatah, Unternehmerin und Chefredakteurin des Magazins Africa Positive und der Kulturjournalisten René Aguigah sprachen mit dem Moderator Wolfram Eilenberger über die Ziele und Voraussetzungen eines neuen, nicht zuletzt auch philosophisch selbstbewussten afrikanischen Weges.

Kein Kontinent besitzt grösseres Entwicklungspotenzial, keiner ernstere Gegenwartsprobleme. Worauf könnte ein erneuertes, kulturelles Selbstbewusstsein Afrikas basieren? Welche Rolle spielt darin die koloniale Vergangenheit? Und welche der Mut zu eigenen Traditionen und neuen Gesellschaftsentwürfen?

In 35 Jahren werden die Afrikanerinnen und Afrikaner ein Viertel der Weltbevölkerung ausmachen. Doch schon jetzt ist die Rolle dieses Kontinents in einer globalisierten Welt neu zu begreifen – und zu definieren. Afrika, das bedeutet mehr als 50 Staaten, ein Viertel der globalen Landmasse, 60 Prozent des ungenutzten Kulturbodens, ein Drittel der weltweiten Bodenschätze – sowie eine Jahrhunderte währende Gewaltgeschichte des Kolonialismus, der Sklaverei und wirtschaftlicher Ausbeutung durch Europa und Nordamerika.

Es stellen sich Fragen, an denen sich auch Europas Zukunft entscheiden wird. Wie weiter in Afrika? Konsequente Besinnung auf eigene Quellen und Traditionen oder dynamischer Anschluss an westliche Denk- und Wirtschaftsmodelle? Über Ziele und Voraussetzungen eines neuen, nicht zuletzt auch philosophisch selbstbewussten afrikanischen Wegs diskutiert Wolfram Eilenberger mit der deutsch-kamerunischen Unternehmerin und Magazingründerin Veye Tatah (Africa Positive) sowie dem Kulturjournalisten René Aguigah mit togolesischen Vater.

[Quelle: Ankündigungstext und Video sind vom yt-Kanal des SRF Kultur aus der Sendereihe „Sternstunde Philosophie“. Die Sendung wurde am 16.12.2019 online gestellt.]

The prison industrial complex – Part 2

Wie die Wirtschaft von Häftlingen profitiert

Text folgt… (Stichworte: Armut+Rassismus)

[Quelle: Eine Reportage auf yt von ZDFinfo Dokus & Reportagen online gestellt am 23.01.2021 unter dem Titel „Sklaverei im US-Knast. Wie die Wirtschaft von Häftlingen profitiert | ZDFinfo Doku“.]